Das kleine Gespenst huschte vorsichtig über den freien Platz vor der Menschenhütte. Ein Hund erwachte, bellte und das kleine Gespenst versteckte sich schnell hinter einem Baum. Dafür mußte es sich ganz dünn machen. Als der Hund wieder eingeschlafen war, schwebte es so schnell es ging zu einem Schuppen und kroch durch ein offenes Fenster. Der Schuppen und das Haus waren die einzigen Plätze, an denen es noch nicht gesucht hatte. Neugierig sah sich das kleine Gespenst um. Es war noch nie bei den Menschen gewesen. Wie merkwürdig alles aussah. Überall lagen Sachen herum und dreckig war es auch. Ganz hinten im Schuppen, unter einem kaputten Fenster, lag ein Stapel Rüben. Eine Rübe glühte rot.
“Na endlich! Ich habe schon eine Ewigkeit auf dich gewartet.”, sagte die Rübe, die eigentlich keine Rübe sondern Tante Karlas Kopf war. Er war beim Ballspielen mal wieder davongeflogen und verloren gegangen. Der Rest von Tante Karla war seither unruhig gewesen und hatte die gesamte Gespensterfamilie losgeschickt, den Kopf zu suchen. Sie durchsuchten die Wohnhöhle und anschließend den ganzen Wald, bis der Tag anbrach. Dann mußten sie erst einmal schlafen gehen. Aber gleich nachdem der Mond wieder aufgegangen war, ging die Suche weiter. |
Als der Brief kam, saß Bodo, das kleine Gespenst, grade auf einem Felsen über dem Höhleneingang und beobachtete wie sein Vater auf der Lichtung mit eingebildeten Feinden kämpfte. Willem der Wüterich, schimpfte und fluchte, wie es sich für ein spukendes Gespenst gehörte und sein Schwert summte gespenstisch während es die Luft durchschnitt. Als der Umschlag plötzlich in der Luft auftauchte, schwang Willem die Waffe grade in einem weiten Bogen um sich.
Scht... Flupp... machte der Brief, als er sauber in zwei Hälften geteilt vor Willems Füßen landete. Bodo steckte sich die Finger in die Ohren, preßte die Augenlieder zusammen und machte sich ganz klein, denn er wußte was nun kam.
„Was soll denn das!“, brüllte Willem wütend. „Wer schmeißt denn hier mit Papier nach mir? Wie soll man denn da in Ruhe spuken?“ Bodos Mutter Susi die Sanfte, hatte das Geschrei gehört und kam sofort aus der Höhle geschwebt, um ihren Mann zu beruhigen. Als Willem sich wieder im Griff hatte, ließ Bodo die Hände sinken, atmete erleichtert auf und sah zu seinen Eltern hinunter auf die Lichtung. Mittlerweile war auch seine Tante, Karla die Kopflose, mit dem Kopf unterm Arm aufgetaucht und hatte den Brief aufgehoben. |